Best Estimate Prämienrückstellung Non-Life

Rückstellungen werden unter Solvency II aus zukünftigen diskontierten Zahlungsströmen für bestehende Verpflichtungen auf der Basis von geschätzten Erwartungswerten gebildet. Sie sind damit ein tragendes Fundament der Passiv-Seite der Solvency II – Bilanz.

Grundlegendes zur Prämienrückstellung

Unter einer Best Estimate Prämienrückstellung wird der erwartete Barwert derjenigen Zahlungsströme verstanden, die aus der zukünftigen Gefahrentragung des zum Solvency II – Bilanzstichtag vorhandenen Versicherungsbestands resultieren. Sie entspricht damit einer Rückstellung für noch nicht eingetretene Schäden aus bereits eingegangenen Versicherungsverpflichtungen. Dabei sollen rechnerisch sämtliche Aufwendungen berücksichtigt werden, die bei der Bedienung der Versicherungsverpflichtungen anfallen. Hierzu gehören insbesondere die internen und externen Schadenregulierungsaufwendungen sowie die zukünftigen Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb (siehe Artikel 36, Absatz 2 der DELEGIERTEN VERORDNUNG (EU) 2015/35).
Im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) sind weitere grundlegende Informationen

  • zu den Allgemeine Vorschriften zur Bildung versicherungstechnischer Rückstellungen (siehe § 75 VAG)
  • zum Besten Schätzwert (siehe § 77 VAG) sowie
  • zur Berechnung der versicherungstechnischer Rückstellungen (siehe § 79 VAG)

enthalten, die es zu erfüllen gilt.

Im Prinzip entspricht die Best Estimate Prämienrückstellung einer diskontierten aktuariellen Bedarfsprämie inklusive aller zukünftigen Verwaltungskostenanteile.

Die Prämienrückstellung ist inhaltlich zu unterscheiden vom Prämienrisiko, das die Schwankungen der zukünftigen Zahlungen um die Bedarfsprämie herum abbildet und wesentlich in die Berechnung des SCR eingeht.

Besonderheiten bei der Best Estimate Prämienrückstellung

Im Gegensatz zur lokalen Rechnungslegung kennt die Solvency II Bilanz weder Beitragsüberträge noch Drohverlust oder Schwankungsrückstellungen. Derartige Rückstellungen sowie Prämieneinnahmen, die vor dem Solvency-Bilanzstichtag liegen, werden unmittelbar dem Eigenkapital zugerechnet.

Für die Berechnung der Prämienrückstellungen werden die zukünftigen Cashflows der Leistungen (Schäden), Kosten und Prämien diskontiert berücksichtigt (siehe Artikel 36, Absatz 2 DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) 2015/35). Bei diesem „Cashflow-Ansatz“ werden zunächst je Jahr die kumulierten Schadenstände diskontiert. Anschließend wird zum diskontierten zukünftigen Endbestand der geschätzte Barwert der zukünftigen Kosten addiert und die diskontierte zukünftige Prämie je Jahr subtrahiert. Das Endergebnis der Prämienrückstellung wird durch Aufsummierung der einzelnen (jährlichen) Prämienrückstellungen ermittelt.

In der Leitlinie zur Bewertung von versicherungstechnischen Rückstellungen (EIOPA-BoS-14/166) wird ein vereinfachtes Verfahren zur Bewertung der Best Estimate Prämienrückstellung vorgeschlagen.

Die Formel für das dieses vereinfachte Verfahren basiert auf der geschätzten Schadenkostenquote und den geschätzten zukünftigen Prämieneinnahmen:

Best Estimate Prämienrückstellung =

CR • VM + (CR – 1) • PVFP + AERPVFP

mit

CR = Combined Ratio

AER = geschätzte Abschlusskostenquote

VM = Beitragsüberträge

PVFP = Barwert der geschätzten zukünftigen Brutto-Prämie des aktuellen Bestandes bis Laufzeitende.

Berücksichtigung der Prämienrückstellung in den Quantitative Reporting Templates (QRT)

Die Prämienrückstellung wird in den Meldeformularen 17.01 und 18.01 ausgewiesen. Es wird einerseits ein Überblick über die versicherungstechnischen Rückstellungen im Bereich Non-Life gegeben, wobei nach den wichtigsten Positionen (wie z.B. Best Estimate,

Risikomarge, Prämien- und Schadenrückstellung) für einen besseren Überblick unterschieden wird. Andererseits erfolgt eine Auflistung aller künftigen Cashflows, die benötigt werden, um den Versicherungsverpflichtungen nachzukommen.