Ermittlung der Kapitalanforderungen für das Aktienrisiko

Die bisherigen Feldstudien haben gezeigt, dass das Aktienrisiko ein wesentlicher Bestandteil des Marktrisikos ist. Das Markt- und insbesondere das Aktienrisiko zeichnen sich durch eine sehr hohe Stabilität mit hohem Wirkungsgrad auf die Kapitalanforderungen aus. In diesem Kontext ist der Anpassung der Ermittlung des symmetrischen Anpassungsfaktors (Equity Dampener) und einer Reduzierung seiner Volatilität entsprechende Bedeutung beizumessen.

Das Aktienrisiko

Das Aktienrisikosubmodul adressiert die Risiken aus den Schwankungen der Aktienkurse für alle diesbezüglich sensitiven Aktiva und Passiva. Die Berechnungen basieren auf den gesetzlichen Grundlagen dem § 106 des VAG (Versicherungs-aufsichtsgesetz) und dem Artikel 169 der DELEGIERTEN VERORDNUNG (EU) 2015/35.

Zur Quantifizierung der aus diesem Risiko erwachsenden Solvenzkapitalanforderung ist die Gruppe der Eigenkapitalinstrumente in Typ 1-Aktien und Typ 2-Aktien zu untergliedern (siehe Artikel 168 der DELEGIERTEN VERORDNUNG (EU) 2015/35). Unter Typ 1-Aktien fallen diejenigen Aktien, die auf regulierten Märkten in Ländern der EEA und OECD gelistet sind.

Zu den Typ 2-Aktien gehören die an Börsen anderer Länder notierten Aktien, die nicht an einer Börse notierten Aktien oder Beteiligungen, Privates Beteiligungskapital, Hedge-Fonds sowie Rohstoffe oder andere alternative Investments.

Hingegen gehören nicht zum Aktienrisiko:

  • Investments, die unter das Zinsänderungs-, Immobilien- oder Spreadrisiko fallen sowie
  • Beteiligungswerte an Kredit- und Finanz-instituten, soweit sie nicht als Basiseigenmittel berücksichtigt werden.

Des Weiteren ist eine Unterteilung in Aktien und Beteiligungen erforderlich. Dadurch ist eine deutlich höhere Datengranularität notwendig.

Beim Standardaktienrisiko erhalten Typ 1-Aktien einen unmittelbaren Rückgang in der Summe aus 39 % und dem symmetrischen Anpassungsfaktor nach Artikel 172 der Delegierten Verordnung. Der unmittelbare Rückgang von Typ 2-Aktien basiert auf der Summe aus 49 % und dem symmetrischen Anpassungsfaktor.

Ein sofortiger Rückgang von 22 % des Marktwertes von Aktien ergibt sich für solche von verbundenen Unternehmen, die aus strategischen Zwecken gehalten werden, und wiederum für solche, die unter das im Artikel 212 Absatz 2 der DELEGIERTEN VERORDNUNG (EU) 2015/35 beschriebene Geschäft fallen.

Neben den Basisschocks in Höhe von 39 % (Typ 1-Aktien) und 49 % (Typ 2-Aktien) wurde bereits in QIS 5 der symmetrische Anpassungsfaktor (SA) zur Vermeidung von prozyklischen Effekten eingeführt. Die Ermittlung wurde mit Blick auf die höhere Volatilität des SA gegenüber der QIS 5 angepasst. Vormals kam es bereits in entsprechend kurzen Perioden zu starken Schwankungen des symmetrischen Anpassungsfaktors, die den Gesamtschock und somit die Solvenzkapital-anforderung für das Aktienrisiko stark beeinflussten.

Nach Artikel 172 der DELEGIERTEN VERORDNUNG (EU) 2015/35 wird der symmetrische Anpassungsfaktor wie folgt berechnet:

symmetrische Anpassungsfaktor

wobei gilt:

  • CI bezeichnet den aktuellen Aktienindex-Stand.
  • AI gibt den gewichteten Durchschnitt der täglichen Aktienindex-Stände in den letzten 36 Monaten an. Dabei sollen die Gewichte jeweils gleich sein und nur diejenigen Tage in den Durchschnitt mit einfließen, für die der Aktienindex-Stand erfasst wurde.
  • Der SA soll zwischen -10 % und 10 % liegen.

Berechnung der Kapitalanforderung

Die Kapitalanforderung für das Aktienrisiko basiert auf der Veränderung des Net Asset Values im Schockszenario gegenüber dem risikoneutralen Marktwertszenario. Dazu werden zunächst die Veränderungen der Marktwerte der einzelnen Aktientypen bzw. Beteiligungsarten i unter Berücksichtigung der Schockfaktoren k berechnet:

NAV

Anschließend wird das relevante Risikokapital je Schockfaktor k mittels Maximumfunktion auf den zuvor berechneten Net Asset Value ermittelt:

SCR

Im nächsten Schritt wird die Kapitalanforderung für die Aktien vom Typ 1 und Typ 2 per Summation über die Indizes berechnet:

SCR

Abschließend sind die einzelnen Risikokapitalien unter Annahme einer Korrelation von 0,75 zu aggregieren, womit sich die Kapitalanforderung des Aktienrisikos wie folgt ergibt:

SCR

Berücksichtigung des Aktienrisikos in den Quantitative Reporting Templates (QRT)

Die Darstellung des Aktienrisikos ist Gegenstand des QRT S.26.01. Basierend auf den Eingangsdaten für die Standardformel sind hier die Marktwerte – jeweils für das risikoneutrale und das Schockszenario – für Aktiva und Passiva auszuweisen, die dem Aktienrisiko

unterliegen. Dabei ist eine Untergliederung der Aktiva in Typ-1- und Typ-2-Aktien erforderlich. Für beide Gruppen ist dabei jeweils ein Aufriss nach Aktien, strategischen Beteiligungen und durationsbasiert berücksichtigten Aktien zu erfassen.

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