Ermittlung der Kapitalanforderungen für das Immobilienrisiko

Beim Immobilienrisiko handelt es sich um das Risiko, dass sich der Wert der Basiseigenmittel aufgrund von Bewegungen der Immobilienpreise oder deren Volatilität negativ verändert.

Die Berechnung des Immobilienrisikos

Die Berechnung der Kapitalanforderung für das Immobilienrisiko erfolgt über den hypothetischen Verlust der Basiseigenmittel in einem Schockszenario mit einem unmittelbaren Rückgang aller Immobilienpreise um 25%. Dabei wird keine Unterscheidung gemacht, ob es sich um Immobilien als direkte Investition, Teil eines Funds (=> Look-through-Ansatz) oder Immobilien zur eigenen Nutzung handelt. Investitionen in Firmen, die in der Immobilienbranche tätig sind, müssen allerdings nicht im Immobilienrisiko-Submodul, sondern im Aktienrisikomodul berücksichtigt werden.

Die Berechnung der Kapitalanforderung wird sowohl brutto (nur Wertänderung der Anlagen und vor Berücksichtigung der Verluste für Versicherungsnehmer) als auch netto (nach deren Berücksichtigung) ausgeführt.
Im Fall, dass in diesem Rückgangsszenario kein Verlust eintritt, nimmt die Kapitalanforderung für das Immobilienrisiko den Wert 0 an.

Berücksichtigung des Immobilienrisikos in den Quantitative Reporting Templates (QRT)

Das Immobilienrisiko inklusive Kapitalanforderung wird als Teil des Marktrisikos im Meldeformular 26.01 ausgewiesen. Neben dem Wert der Anlagen und Verpflichtungen vor einem Schock wird der errechnete Wert der Anlagen nach dem erwähnten Schock sowie der Wert der Verpflichtungen vor und nach der Absorbierung der entstandenen

Verluste ausgewiesen. Aus diesen Werten ergeben sich über den Verlust der Basiseigenmittel sowohl eine Kapitalanforderung brutto (vor Berücksichtigung der Verluste für Versicherungsnehmer) als auch einer Kapitalanforderung netto (nach deren Berücksichtigung).

Ausblick

Ein Schock von 25% war vor der Einführung von Solvency II lange Gegenstand ausführlicher Diskussionen. Im April 2013 veröffentlichte die Investment Property Databank (IPD) eine Studie, die für das europäische Festland feststellte, dass der VaR zu einem Signifikanzniveau von 99.5% bereits mit einem Schock von 15% erreicht wäre. Nachfolgende Studien gelangten zu ähnlichen Ergebnissen. Trotz den Bemühungen von Lobbyisten beharrte die EU-Kommission bislang auf dem

konservativeren Ansatz mit einem Schock von 25% und es gibt derzeitig keine Anhaltspunkte, dass hier in der Zukunft eine Anpassung erfolgen wird.
Versicherungen mit einem starken Investmentfokus auf Immobilien sollten daher die Verwendung eines vom Regulator genehmigten internen Risikomodells für die Berechnung des Immobilienrisikos in Betracht ziehen.

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