Katastrophenrisiken

Im Gegensatz zur früheren QIS-Studien wird nun (seit 2013) eine europaweit einheitliche Regelung zur Bestimmung des Solvenzkapitals aus Katastrophenrisiken im Nicht-Leben-Bereich vorgegeben. Hierbei wird zwischen Naturgefahren (NatCat) und von Menschen verursachten Katastrophen (ManMadeCat) unterschieden. Welche Naturgefahrenarten in den einzelnen Ländern der EU zu berücksichtigen sind, wird seitens EIOPA vorgegeben. Es sind prinzipiell zwei verschiedene Vorgehensweisen möglich: der szenariobasierte Ansatz (Methode 1) und der faktorbasierte Ansatz (Methode 2).

Der szenariobasierte Ansatz (Methode 1)

Bei den Naturkatastrophen wird grundsätzlich nicht zwischen Geschäftsfeldern, sondern zwischen den Gefahren

  • Sturm
  • Überschwemmung
  • Erdbeben
  • Hagel
  • Erdsenkung (nur Frankreich)

unterschieden. Die Versicherungsverträge aus unterschiedlichen Sparten, die eine Naturgefahrendeckung beinhalten, müssen also in die einzelnen Gefahren „zerlegt“ werden. Die Autokasko-Versicherung ist hierbei eingeschlossen. Ähnlich wie bei den kommerziellen geophysikalischen Modellen werden die Gefahren nach Cresta-Zonen (Postleitzahl-bezogen) erfasst. Da insbesondere für die Autokasko-Versicherung, aber auch andere Vertragsarten eine solche Zonierung im Allgemeinen nicht vorliegt, gibt es länderspezifische Überleitungsregeln. Als Volumenmaß für die SCR-Berechnung dienen die jeweiligen Versicherungssummen.
Alle Naturgefahren werden netto, d.h. nach Rückversicherung, bewertet. Hierbei wird vereinfachend nur eine Kombination aus Quoten- und XL-Rückversicherung betrachtet.

Eine Besonderheit ist bei einigen Naturgefahren gegeben: hier sind die Netto-Kapitalanforderungen nämlich unter Berücksichtigung von Mehrfachereignissen zu bestimmen. Für das Sturmrisiko wird bei Alternative A angenommen, dass zwei mittelschwere Ereignisse nacheinander auftreten; auf Sturm A1 mit 80% der 200-Jahres-__Brutto__-Kapitalanforderungen folgt ein Sturm A2 mit 40% dieser Kapitalanforder-ungen. Bei Alternative B folgt einem „großen“ Sturm B1 mit 100% der 200-Jahres-Kapitalanforderungen ein „kleiner“ mit 20% der Kapitalanforderungen. Obwohl sich die Prozentsätze formal zu jeweils 120% des Brutto-Betrages addieren, kann es unterschiedliche Auswirkung je nach Rückversicherungskonstruktion geben. Die zu berücksichtigende Größe ist das Maximum beider Alternativen. Ähnliche Vorgaben gibt es für das Überschwemmungsrisiko (65%/45% für Alternative A und 100%/10% für Alternative B) und das Hagelrisiko (70%/50% für Alternative A und 100%/20% für Alternative B). Für das Erdbebenrisiko werden keine Mehrfachereignisse betrachtet.

Die Aggregation der einzelnen SCR erfolgt über die Kovarianzformel mit einer gefahrenweisen Berücksichtigung von Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Cresta-Zonen innerhalb eines Landes und noch einmal zwischen den einzelnen Ländern.

Sturm Korrelation
Sturm Korrelation
Quelle: GDV (2010)
 Sturm
Sturm Korrelation
Quelle: GDV (2010)

Bei den vom Menschen verursachten Katastrophen wird im Gegensatz zu den Naturgefahren zwischen den Geschäftsfeldern

  • Feuer/Sachversicherung
  • Kraftfahrzeughaftpflicht
  • Marine
  • Kredit und Kaution
  • Allgemeine Haftpflicht
  • Luftfahrt
  • Terrorismus

unterschieden. Anders als bei den Naturgefahren erfolgt hier keine regionale Diversifizierung, eine vorhandene Rückversicherung wird allerdings wieder berücksichtigt. Die einzelnen SCR je Geschäftsfeld werden wie üblich über die Kovarianzformel aggregiert, die Katastrophenereignisse werden dabei als voneinander unabhängig angenommen.
Für das Modul „Health“ ist ebenfalls ein Katastrophen-Submodul vorgesehen; Szenarien sind hier z.B. „Arena“ (Massenunfall durch Panik) oder Pandemie.

Der faktorbasierte Ansatz (Methode 2)

Hier werden Natur- und durch Menschen verursachte Katastrophen gemeinsam erfasst, wobei die Brutto-Gefahren über vorgegebene Prozentsätze der Jahresprämien verrechnet werden (teilweise „zerlegt“ nach Sturm-/ Überschwemmungs-/ Erdbeben- und Hagelanteilen, siehe Tabelle rechts).

Methode 2 kann angewendet werden, wenn

  • Methode 1 nicht angemessen ist
  • Ein (partiell) internes Modell nicht angemessen ist
  • Methode 1 kein „sinnvolles“ (d.h. zum Unternehmen passendes) Ergebnis liefert.

Die Brutto-Ergebnisse sind wie in Methode 1 anschließend in Netto-Ergebnisse zu überführen.
Methode 1 und Methode 2 können auch kombiniert werden; in diesem Fall sind die einzelnen SCR-Ergebnisse mit der Kovarianzformel (ohne Korrelationen) zu aggregieren.

Events Lines of business affected Gross Factor
Storm Fire and property; Motor, other classes 175 %
Flood Fire and property; Motor, other classes 113 %
Earthquake Fire and property; Motor, other classes 120 %
Hail Motor, other classes 30 %
Major fires, explosions Fire and property 175 %
Major MAT disaster MAT 100 %
Major motor vehicle liability disasters Motor vehicle liability 40 %
Major third party liability disaster Third party liability 85 %
Credit Credit 139 %
Miscellaneous Miscellaneous 40 %
NPL Property NPL Property 250 %
NPL MAT NPL MAT 250 %
NPL Casualty NPL Casualty 250 %

Quelle: QIS 5 Technical Specifications, SCR.9.178

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