Risikomanagementfunktion

Die Risikomanagementfunktion ist eine der vier Schlüsselfunktionen des Governance-Systems, die gemäß der Richtlinie 2009/138/EG des europäischen Parlamentes und des Rates unter Solvency II eingerichtet werden muss.

Die Risikomanagementfunktion und deren Aufgaben

Gemäß Artikel 44 Absatz 4 der Richtlinie 2009/138/EG haben die Versicherungs- oder Rück­versicherungsunternehmen eine Risiko­manage­mentfunktion (RMF) zu imple­men­tieren, die so strukturiert ist, dass die Umsetzung des Risikomanagementsystems erleichtert wird.

Die Regularien der RMF sind in das unternehmensspezifische Risikomanagement­system eingebettet und werden in folgenden gesetzlichen und rechtlichen Vorgaben beschrieben:

  • Rahmenrichtlinie 2009/138/EG:
    • Artikel 44 Absatz 4
  • Delegierten Verordnung (EU) 2015/35 unter Berücksichtigung der Delegierten Verordnung (EU) 2016/2283:
    • Artikel 269
  • Leitlinien zum Governance-System (EIOPA-BoS-14/253 DE):
    • Leitlinie 19
  • nationales Versicherungsaufsichtsgesetz in der jeweils gültigen Fassung
  • weitere Veröffentlichungen der nationalen Aufsicht

Die RMF hat im Rahmen von Solvency II folgende Aufgaben wahrzunehmen:

  • Unterstützung des Verwaltungs-, Management- oder Aufsichtsorgans;
  • Unterstützung anderer Funktionen bei der effektiven Handhabung des Risikomanagementsystems;
  • Überwachung des Risikomanagementsystems;
  • Überwachung des allgemeinen Risikoprofils des Unternehmens als Ganzes;
  • Ermittlung und Bewertung sich abzeichnender Risiken.

Zu ihrem Aufgabengebiet gehört außerdem die Erfüllung der Anforderungen gemäß Artikel 44 Absatz 5 der Richtlinie 2009/138/EG, wenn das Versicherungs- oder Rückversicherungsunternehmen ein Voll- oder Partialmodell als internes Modell anwendet.

Zudem muss die RMF eine detaillierte Berichterstattung über Risikoexponierungen durchführen.
Des Weiteren ist das Verwaltungs-, Management- oder Aufsichtsorgan in Fragen des Risikomanagements, unter anderem in strategischen Belangen, die die Unternehmensstrategie, Fusionen und Übernahmen oder größere Projekte und Investitionen betreffen, zu beraten.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Österreich

Neben den internationalen Anforderungen an die RMF gibt es nationale Vorgaben, die im jeweils gültigen nationalen Versicherungsaufsichtsgesetz

  • für Deutschland im §26 Absatz 8 des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunternehmen (Versicherungsauf­sichtsgesetz – VAG) und
  • für Österreich über §112 des Bundesgesetzes über den Betrieb und die Beaufsichtigung der Vertragsversicherung (Versicherungsaufsichtsgesetz 2016 – VAG 2016)

fixiert sind. Dennoch sind keine nationalen Unterschiede bei den grundsätzlichen Aufgaben der RMF zwischen Deutschland und Österreich zu finden.

Aller­dings sind in Deutschland zusätzliche Anforderungen im Rahmen des Rundschreiben 2/2017 (VA) – Mindestanforderungen an die Geschäftsorganisation von Versicherungsunternehmen (MaGo) der BaFin vom 25.01.2017, Kapitel 9.5 zu berücksichtigen. Eine weitere Besonderheit stellt die Bezeichnung der RMF in Deutschland dar. Neben der Bezeichnung Risikomanagementfunktion wird aufgrund der MaRisk (VA) die Bezeichnung unabhängige Risikocontrolling­funktion (URCF) als synonym weiterhin verwendet.

Ein Unterschied im Aufgabenbereich der RMF ist die Berichtspflicht:

  • In Deutschland wird in der MaGo festgelegt, dass die RMF die gesamte Geschäftsleitung zu informieren hat.
  • In Österreich gibt es keine vergleichbare rechtliche Vorgabe.

Eine weitere Abweichung im nationalen Recht ergibt sich bei Auslagerung der RMF. Das Versicherungsaufsichtsgesetz besagt, dass

  • in Deutschland die verantwortliche Person einer Schlüsselfunktion bei Bestellungs­absicht gemäß §47 Nr. 1 VAG und
  • in Österreich nach Bestellung gemäß §122 VAG 2016

der jeweiligen Aufsicht anzuzeigen ist.

Die Fit und Proper Anforderungen an die Personen, die die Schlüsselfunktion der RMF ausüben, sind

  • in Deutschland im §24 VAG und
  • in Österreich VAG 2016

fixiert.

Die nationalen Aufsichtsbehörden besitzen außerdem das Recht, die Abberufung einer Person, die Inhaber der RMF ist, zu verlangen, wenn Zweifel an der Erfüllung der fachlichen Quali­fikation oder der persönlichen Zuverläs­sigkeit bestehen. Dies ist laut

  • §303 Abs. 2 Nr. 1 VAG in Deutschland bzw.
  • §122 Abs. 2 VAG 2016 in Österreich

möglich.